Schlagzeug

Schlagzeug stimmen, mit oder ohne Tension Watch

So stimmst du Toms, Snare und Bassdrum Schritt für Schritt über Kreuz und nach Gehör, und wobei dir ein Spannungsmesser wie die Tama Tension Watch hilft.

Schwarze Tama Tension Watch mit Analogzifferblatt, roter Zeiger, schwarzer Sockel von oben.
Tama TW200 Tension Watch, Draufsicht. Foto: Tama

Drummer stimmen immer öfter mit Hilfsmitteln. Es gibt Apps, es gibt elektronische Tuner, die die Tonhöhe eines Fells messen (wir haben dir schon mal fünf davon vorgestellt), und es gibt Spannungsmesser, die du einfach aufs Fell setzt. Tama hat mit der TW200 Tension Watch so ein Gerät im Programm.

Die Idee hat was: Du siehst die Spannung auf einem Zeiger, statt sie hören zu müssen. Das klappt gut, unter einer Bedingung. Die Stimmschrauben müssen sich leicht drehen lassen und dürfen keinen Rost haben, sonst passt die Verteilung rund um den Kessel nicht mehr zu dem, was du misst.

Was gut klingt, entscheidest am Ende du selbst mit deinen Ohren. Deshalb findest du unten die Methode, die allein mit einem Stimmschlüssel funktioniert. Ein Messgerät oder Tuner kann prima nebenher laufen, zur Kontrolle.

Eine Trommel hat keinen festen Ton

Eine Gitarre stimmst du auf E, A und D. Ein Schlagzeug stimmst du nach Gefühl: Du spannst die Felle, bis die Trommel ausgewogen klingt, und was ausgewogen ist, hängt von deinem Stil ab. Ein Jazzdrummer will hohe, offene Toms, ein Rockdrummer tiefe und kurze.

Das Prinzip ist simpel. Mehr Spannung ergibt einen höheren Ton, weniger Spannung einen tieferen. Jede Trommel hat zwei Felle: das Schlagfell, auf dem du spielst, und das Resonanzfell auf der Unterseite. Das Verhältnis zwischen den beiden bestimmt den Charakter. Noch wichtiger ist, dass die Spannung rund um den ganzen Kessel gleich ist. Klingt das Fell an jeder Stimmschraube gleich hoch, steht die Basis.

Was du bereitlegst

  • einen Stimmschlüssel
  • ein paar Drumsticks zum Antippen
  • deine Ohren, oder einen Tuner oder Spannungsmesser
  • ein Tuch zum Abwischen der Felle, denn Staub auf dem Fell beeinflusst den Klang

Toms Schritt für Schritt

Fang mit den Toms an. Da lernst du die Technik am leichtesten, und Snare und Bassdrum funktionieren danach nach dem gleichen Muster.

Tama Tension Watch auf dem Spannreifen einer weißen Trommel, daneben Spannschraube.
Tama TW200 Tension Watch am Spannreifen. Foto: Tama
  1. Dreh alle Stimmschrauben los. So startest du bei null, ohne alte, ungleiche Spannung. Das Fell liegt schlaff auf dem Kessel und gibt nur ein dumpfes Plopp von sich.
  2. Dreh jede Schraube mit der Hand an, bis sie gerade den Spannreifen berührt und du einen leichten Widerstand spürst. Dann ist das Spiel raus und das Fell liegt noch locker auf dem Kessel.
  3. Drück das Fell mit der flachen Hand in der Mitte kräftig runter. Hörst du ein Knacken, ist das der Kleber im Fell. Danach kannst du die Schrauben mit der Hand noch ein Stück weiter anziehen.
  4. Nimm den Schlüssel und arbeite über Kreuz, im Sternmuster. Fang bei der Schraube an, die dir am nächsten ist, dreh eine Vierteldrehung und geh dann zur Schraube direkt gegenüber. Die drehst du genauso weit. So arbeitest du dich einmal um den ganzen Reifen. Dreh nie mehr als eine halbe Umdrehung auf einmal, außer bei einem Fell, das du gerade gewechselt hast.
  5. Tipp an jeder Schraube aufs Fell, etwa ein bis drei Zentimeter vom Rand entfernt. Leg einen Finger in die Mitte des Fells und dämpf das andere Fell, dann hörst du den Ton pro Schraube deutlicher. Klingt eine Schraube höher oder tiefer, korrigierst du nur diese. Beim Feintuning arbeitest du mit kleineren Schritten, so um eine Achteldrehung.
  6. Dreh das Tom um und stimm das Resonanzfell auf die gleiche Weise. Ein strafferes Resonanzfell bringt einen kürzeren, punchigeren Sound. Lockerer ergibt einen tieferen Ton mit mehr Sustain. Beide Felle ungefähr gleich straff ist ein guter Ausgangspunkt.
  7. Dreh das Tom zurück und schlag in die Mitte des Schlagfells. Jetzt stimmst du Schraube für Schraube fein, bis dir der Ton gefällt. Lass dir Zeit: Ein paar Mal zwischen Antippen und Drehen hin und her zu wechseln gehört dazu.

Die Snare

Die Snare ist das Teil, auf das du am meisten achtest, und auch das mit den meisten Fallstricken. Das Schlagfell machst du wie bei den Toms. Leg das Fell auf den Kessel, den Spannreifen obendrauf, dreh die Schrauben an, bis du Widerstand spürst, und drück das Fell in der Mitte nach unten, bis es auf der Kesselkante aufliegt.

Danach ziehst du die Schrauben über Kreuz und in kleinen Schritten an, bis sich die Spannung gut anfühlt. Klopf höchstens 3 cm von jeder Stimmschraube entfernt aufs Fell. Hörst du überall den gleichen Ton, sitzt das Schlagfell.

Das Resonanzfell braucht mehr Sorgfalt:

  1. Lös die Teppichabhebung, damit der Snareteppich entspannt hängt.
  2. Leg einen Drumstick zwischen Teppich und Fell. Beim Stimmen darf der Teppich das Fell nicht berühren, sonst hörst du den Ton pro Schraube nicht.
  3. Stimm das Fell mit derselben Methode: über Kreuz drehen und klopfen. Drück dieses Fell nicht mit der Hand an. Es ist extra dünn und geht deshalb leicht kaputt.
  4. Such die Balance. Zu straff klingt es schrill, zu locker fehlt der Snare die Definition. Du willst Klarheit, ohne dass die Trommel zu lange nachsingt.
  5. Nimm den Stick raus und spann den Snareteppich mit der Teppichabhebung wieder an. Nicht zu straff, sonst würgt der Teppich die Trommel ab. Zu locker gibt ein rasselndes Geräusch, weil die Vibration zu lange weiterläuft.

Die Bassdrum

Bei der Bassdrum ist die Reihenfolge dieselbe: alle Schrauben lösen, mit der Hand ansetzen, dann mit dem Schlüssel im Sternmuster gleichmäßig anziehen. Das Schlagfell spannst du, bis ein tiefer, punchiger Klang rauskommt. Probier hier ruhig ein paar Einstellungen aus. Etwas lockerer gibt mehr Bass, etwas straffer mehr Attack und Präzision unter deinem Pedal.

Tama Tension Watch im geöffneten schwarz-roten Etui auf hellem Hintergrund.
Tama TW200 Tension Watch im Etui. Foto: Tama

Das Resonanzfell bestimmt, wie lange die Bassdrum nachklingt. Straffer ergibt einen trockeneren Sound, lockerer mehr Sustain. Willst du die Resonanz noch weiter zähmen: Viele Drummer legen ein Kissen in den Kessel, das gerade so an einem oder beiden Fellen anliegt.

Wo es oft schiefgeht

Die meisten Stimmprobleme kommen von Hektik oder zu großen Schritten. Ein paar Klassiker:

  • Große Drehungen auf einmal. Eine ganze Umdrehung an einer Schraube zieht das Fell schief, und dann stimmt der Rest des Reifens nicht mehr. Bleib bei einer Vierteldrehung, danach kleiner.
  • Im Kreis statt über Kreuz drehen. Wer Schraube für Schraube im Uhrzeigersinn dreht, zieht das Fell zu einer Seite. Das Sternmuster verhindert das.
  • Vergessen, den Snareteppich zu lösen. Dann stimmst du auf ein Rasseln und hörst nicht, was das Fell macht.
  • Das Resonanzfell der Snare andrücken. Dieser eine Handgriff kann dich ein neues Fell kosten.
  • Abgenutzte Felle immer weiter stimmen. Felle verlieren ihre Elastizität und damit auch Kraft und Klarheit. Wenn du regelmäßig spielst, wechselst du sie nach 6 bis 12 Monaten. Wie das geht, liest du in Trommelfelle austauschen und Schlagzeug stimmen.
  • Einem Spannungsmesser bei schwergängigen Schrauben blind vertrauen. Eine rostige oder trockene Schraube dreht schwer und verfälscht das Bild. Was ein Messgerät wie die Tension Watch dann anzeigt, passt nicht mehr zu dem, was das Fell macht.

Wechselst du die Felle, wisch gleich die Bearing Edges mit einem trockenen Tuch ab und fette sie ein, bevor das neue Fell draufkommt. Ein Fell auf einer schmutzigen oder trockenen Kante lässt sich schwerer gleichmäßig stimmen.

Passt alles, nimm jede Trommel einzeln mit deinem Smartphone auf: ein Schlag auf die Snare, auf jedes Tom und auf die Bassdrum. Diese Aufnahme ist beim nächsten Mal dein Referenzton.