Roland TD-07KV2 behält das alte Modul und tauscht alles andere aus
Das Roland TD-07KV2 bekommt größere Pads, ein zweites Crash und ein fast fertig montiertes Rack. Was das bringt und wo das alte Modul an Grenzen stößt.

Das TD-07-Modul kam Ende 2020 auf den Markt und hat sich seitdem kaum verändert. Beim TD-07KV2 hat Roland dafür alles drumherum ausgetauscht. Du bekommst Snare- und Tom-Pads aus der V-Drums 3 Series, ein Rack, das beim Öffnen des Kartons schon größtenteils zusammengebaut ist, einen separaten Kick Tower und zwei Crash-Becken.
Roland hat das Kit Mitte Oktober vorgestellt, zusammen mit dem kleineren TD-07DMK2. Die beiden ersetzen die komplette bisherige TD-07-Reihe. In den USA kostet das KV2 1.099,99 Dollar, 200 mehr als das DMK2. Einen offiziellen Europreis hat Roland noch nicht genannt.
Wer mit einem Einsteigerkit von Roland liebäugelt, hat meistens drei Fragen. Was ist besser als bei der Vorgängerversion? Warum solltest du das teurere der beiden nehmen? Und wo ist Schluss? Die drei gehen wir unten der Reihe nach durch.
Was hat sich seit dem ersten TD-07KV geändert?
Den größten Unterschied siehst du sofort: Die Pads sind ordentlich gewachsen. Das alte TD-07KV hatte eine 8-Zoll-Snare und 6-Zoll-Toms. Beim KV2 sitzt ein PD-10H mit 10 Zoll als Snare, zwei PD-8H mit 8 Zoll als Hängetoms und ein weiteres PD-10H als Floor Tom.
Das klingt nach ein paar Zentimetern, aber hinter dem Kit merkst du es sofort. Ein 6-Zoll-Tom ist ein kleines Ziel. Bei einem schnellen Fill bist du dann mehr am Zielen als am Spielen. Mit 8 Zoll oben und 10 Zoll unten bekommst du eine Aufteilung, die eher an ein akustisches Set erinnert, mit einer Floor Tom, die sich auch wirklich wie die größte Trommel anfühlt.
Die Pads stammen aus der V-Drums 3 Series, der Serie über dem TD-07. Sie haben zwei Lagen Mesh und einen Sensor, der außermittig sitzt. Das ist mehr als ein Detail. Bei günstigen Mesh-Pads hast du oft einen Hotspot: Triffst du genau die Mitte, schießt die Lautstärke plötzlich nach oben. Der neue Aufbau fängt das größtenteils ab. Und du kannst die Felle mit einem Stimmschlüssel stimmen, so legst du selbst fest, wie viel Rebound du willst.
Auch bei den Becken hat Roland aufgestockt. Die Hi-Hat ist ein CY-5 mit 10 Zoll auf einem FD-9-Controllerpedal. Darüber hängen ein CY-8 mit 12 Zoll als erstes Crash, ein CY-5 mit 10 Zoll als zweites Crash und noch ein CY-8 mit 12 Zoll als Ride. Die CY-8 haben eine Bow- und eine Edge-Zone, und du kannst sie mit der Hand abstoppen.
Unten steht ein separates KD-10, ein Kick Tower mit Mesh-Fell. Der funktioniert mit Einzelpedal und mit Doppelpedal. Wer später auf ein akustisches Kit umsteigen will, profitiert davon: Du gewöhnst dich gleich an eine echte Pedalbewegung gegen ein Fell, ein Antippen auf einem Gummiklötzchen bringt dir das nie bei.
Ein Rack, das schon halb steht
Das Rack ist vielleicht die praktischste Verbesserung. Es kommt in zwei Hälften, die Klemmen sind schon dran. Du musst nur noch das Mittelrohr verbinden und danach Pads und Becken an ihren Platz setzen. Wer schon mal eine Stunde mit Inbusschlüssel und einer schwammigen Zeichnung auf dem Boden saß, versteht, warum das zählt. Roland hat auch weniger Verpackungsmaterial drumherum gepackt.
Das Mittelrohr ist breiter als bei den bisherigen Racks. Dadurch passt das KDQ-8 aus der Quiet-Design-Serie ohne zusätzliches Rack drauf. Für Drummer in einer Wohnung ist das eine gute Nachricht. Bei einem E-Kit hörst du im Zimmer die Pads, die Nachbarn hören aber vor allem die Kick, die über den Boden durchkommt. Eine leisere Kick kannst du später nachrüsten.
Das Rack hat vier Beine und ist aus Metall. Das ganze Kit misst 130 x 110 x 120 Zentimeter und wiegt 22,3 Kilo. Das ist kompakt genug fürs Schlafzimmer oder eine Ecke im Wohnzimmer.
Das Modul und die Übungsfunktionen
Das TD-07-Modul hat 143 Instrumente, 25 Preset-Kits und Platz für 25 eigene Kits. Pro Instrument kannst du Stimmung und Dämpfung anpassen. Dazu kommen EQ, Ambience und 30 Multi-Effekte. Für ein Einsteigermodul klingt es immer noch stark. Vor allem die akustischen Kits sind gelungen, mit Snares, die der Dynamik folgen, ohne bei jedem Schlag dasselbe Sample abzufeuern.
Bluetooth 4.2 ist für Audio und MIDI an Bord. Du streamst einen Song vom Handy aufs Modul und spielst über Kopfhörer mit, ganz ohne Kabel. Über USB schickst du Audio und MIDI an deinen Rechner, mit zwei Kanälen rein und zwei raus.

Was Roland am Modul geändert hat, steckt im Coach-Modus. Der bietet Übungen wie Time Check, bei der das Modul festhält, wie tight du zum Klick spielst, und Quiet Count, bei der das Metronom ein paar Takte aussetzt und du selbst den Puls halten musst. Auto Up/Down schraubt das Tempo Schritt für Schritt hoch oder runter. Das Metronom läuft von 20 bis 260 BPM, Taktart, Notenwert und Klicksound wählst du selbst.
Dazu gibt es kostenlosen Zugang zu Drum Pass von Melodics, einem Paket interaktiver Lektionen, das auf die V-Drums abgestimmt ist. Für Anfänger ohne Lehrer entscheidet das darüber, ob das Kit nach drei Monaten unter einem Laken verschwindet oder ob du jeden Abend dransitzt.
Warum nicht einfach das TD-07DMK2?
Die beiden Kits haben vieles gemeinsam. Das Modul ist dasselbe, genau wie die PD-10H-Snare, das Rack und die KD-10-Kick. Auch die Übungsfunktionen und Drum Pass sind bei beiden dabei. Der Unterschied liegt bei den übrigen Pads.
Das DMK2 hat drei 8-Zoll-Toms, also auch eine Floor Tom mit 8 Zoll. Es gibt nur ein Crash, und sowohl dieses Crash als auch das Ride sind CY-5 mit 10 Zoll. Dafür sitzt am Rack ein zusätzlicher Beckenarm für ein zweites Crash später. Die Hi-Hat sitzt auf einem einfacheren Pedal.
Das KV2 hat also eine größere Floor Tom, ein zweites Crash, 12-Zoll-Pads für Ride und erstes Crash und das FD-9-Pedal. Von diesen vier Punkten ist das Ride vielleicht der wichtigste. Ein 10-Zoll-Ride ist knapp, wenn du Grooves darauf spielst, und das machst du in vielen Stilen fast den ganzen Song lang. Auf 12 Zoll hast du Platz, deinen Stick dort liegen zu lassen, wo er hingehört.
Das FD-9 ist ein stabileres Pedal, das sich beim Öffnen und Schließen besser anfühlt. Auch das merkst du vor allem, wenn du schon etwas länger spielst. Als Anfänger vermisst du im ersten halben Jahr vielleicht nichts, danach spürst du den Unterschied aber schon.
Wer das DMK2 kauft und später doch ein zweites Crash und ein größeres Ride will, zahlt diese Pads extra. Dann bist du schnell mehr los als die Differenz zwischen den beiden Kits. Für uns sind die 200 Dollar Aufpreis gut angelegt, außer du hast wirklich keinen Platz. Das DMK2 braucht nämlich weniger Fläche, und in einem kleinen Studentenzimmer kann das den Ausschlag geben.
Wo stößt es an seine Grenzen?
Das Modul ist das alte, und das merkst du an ein paar Stellen. Das meiste fällt erst auf, wenn du länger spielst oder mehr willst als zu Hause üben.
Die Hi-Hat bewegt sich nicht
Die Hi-Hat ist ein festes CY-5-Pad auf einem Ständer. Das FD-9-Pedal erfasst, wie weit dein Fuß das Pedal durchdrückt, und das Modul passt den Sound daran an. Offen, geschlossen und halb offen klingen gut. Unter deinem Stick bewegt sich trotzdem nichts. Ein Foot Splash oder eine Hi-Hat, die du mit dem Fuß ‘atmen’ lässt, fühlt sich so anders an als auf einer echten Hi-Hat. Wer von einem akustischen Set kommt, vermisst das am meisten.
Keine Bell und ein Umweg für den Cross-Stick
Das Ride hat keine eigene Bell-Zone. Willst du einen Bell-Sound, weist du ihn im Menü der Edge zu. Dann ist die Edge als normaler Ride-Sound weg. Beim Cross-Stick auf der Snare ist es dieselbe Geschichte: Auch den schaltest du übers Menü ein. Zum Üben geht das. Für einen Song, in dem du beim Spielen zwischen Cross-Stick und Backbeat wechselst, ist es umständlich.
Die Toms sind an diesem Modul Single-Zone. Ein Rimshot auf einem Tom löst also keinen eigenen Sound aus. Bei Funk oder Rock fehlt dir das ab und zu, beim meisten Anfängerstoff eher nicht.

Wenig Ausgänge
Das Modul hat einen einzigen Stereoausgang als Miniklinke und einen Mix-Eingang für ein externes Gerät. Für zu Hause mit Kopfhörer reicht das. Auf der Bühne oder im Studio willst du Kick, Snare und den Rest lieber getrennt ans Pult schicken, und das geht nicht. Auch USB-Audio hat nur zwei Kanäle.
Wer aufnehmen will, holt mehr aus MIDI über USB heraus. Du nimmst dein Spiel als MIDI in deiner DAW auf und lässt ein Drum-Plugin den Sound erzeugen. So kannst du hinterher noch alles mischen und brauchst den knappen Ausgang gar nicht.
Ein kleines Display und ein tiefes Menü
Das Display hat zwei Zeilen. Ein Kit auswählen oder das Metronom einschalten geht schnell, die Effekte und ein Teil der Metronomoptionen liegen aber ein paar Ebenen tief. Ein eigenes Kit zu bauen, kostet also etwas Geduld.
Was nicht im Karton liegt
Fußmaschine und Hocker musst du selbst kaufen, genau wie Kopfhörer und Sticks. Rechne mit einem ordentlichen Zusatzbetrag, falls du die noch nicht hast. Ein vernünftiges Pedal und ein Hocker, der deinen Rücken nicht ruiniert, sind keine Stellen zum Sparen.
Wie sich die V-Drums-3-Pads in diesem Kit nach ein paar Jahren Spielen halten, muss sich noch zeigen. Die Serie, aus der sie stammen, hat in dieser Hinsicht aber einen guten Ruf.
Welches Kit für welchen Drummer?
Für Anfänger in einer Wohnung ist das TD-07KV2 eine logische Wahl. Das Rack steht schnell, die Übungsfunktionen halten dich bei der Stange, und mit dem KDQ-8 kannst du den Schall über den Boden später deutlich reduzieren. Durch die größeren Pads lernst du Techniken, die du später auf ein akustisches Kit einfach mitnimmst.
Ist der Platz wirklich knapp oder das Budget eng, macht das TD-07DMK2 größtenteils dasselbe. Du verzichtest auf Floor Tom, Ride und zweites Crash, aber Modul, Snare und Kick sind identisch.
Wer nach Jahren wieder ans Schlagzeug zurückkehrt, findet im KV2 einen angenehmen Wiedereinstieg. Die feste Hi-Hat und die fehlende Bell werden dich auf Dauer aber stören. Bei Roland landest du dann bei den TD-17-Kits, mit mehr Zonen pro Pad und einem umfangreicheren Modul.
Willst du eine andere Pad-Art ausprobieren, schau dir das Yamaha DTX6K2-X an. Yamaha setzt auf Silikonfelle statt Mesh. Die fühlen sich unter dem Stick anders an, und das Kit ist teurer. Das Alesis Strata Core ist das Kit für den Vergleich, wenn du vor allem viele Trommeln und Becken fürs Geld willst. Roland gewinnt da aus unserer Sicht beim Triggering und bei den Übungsfunktionen.
Wer vor allem aufnimmt oder live spielt, wächst schnell aus diesem Modul heraus. Als MIDI-Controller für ein Drum-Plugin macht es seinen Job aber prima, und dafür ist das Kit mit diesen Pads eher zu gut als zu schwach.
In den USA ist das TD-07KV2 seit Oktober im Handel. Einen offiziellen Europreis hat Roland noch nicht genannt.


