Gitarren

So wechselst du die Saiten an einer Gitarre mit fester Brücke

Schritt für Schritt neue Saiten auf einer E-Gitarre mit fester Brücke aufziehen, inklusive Stretchen und den häufigsten Fehlern.

Saitenwechsel an einer E-Gitarre
Foto: D'Addario

Deine Gitarre klingt matt, die G-Saite verstimmt sich jeden Abend aufs Neue und wenn du über die Saiten streichst, spürst du kleine Kuhlen. Dann liegt wahrscheinlich schon eine ganze Weile ein frischer Satz Saiten im Schrank und wartet darauf, dass du endlich loslegst. Die gute Nachricht: Bei einer Gitarre mit fester Brücke ist Saitenwechseln keine Raketenwissenschaft. Es dauert eine halbe Stunde, und beim zweiten Mal geht es schon deutlich schneller.

Diese Anleitung gilt für eine E-Gitarre mit fester Brücke, zum Beispiel eine Les Paul mit Stopbar. Hast du ein Tremolo, das frei schwingt, lies zuerst unseren Artikel zum Saitenwechsel bei einer schwimmenden Brücke. Das ist eine andere Geschichte, mit Federn und Balance. Die Schritte unten folgen den Anleitungen von D’Addario. Sie funktionieren genauso gut, wenn du Saiten der Konkurrenz aufziehst.

Warum eine Saite überhaupt verstimmt

Eine Saite hält ihre Stimmung, wenn sie an beiden Enden sauber sitzt: mit der Ball End in der Brücke und mit ein paar straffen Windungen um die Achse der Mechanik. Fast alle Stimmprobleme nach einem Saitenwechsel stammen von einem dieser beiden Punkte. Entweder sitzt die Ball End nicht richtig an der Brücke, oder die Saite setzt sich um die Achse noch ein Stück.

Deshalb sind zwei Dinge wichtig: die Saite sauber befestigen und sie danach stretchen. Beim Stretchen dehnst du das Metall nicht, sagt D’Addario. Du hilfst der Saite nur, sich richtig zu setzen, in der Brücke und an der Mechanik.

Das legst du dir bereit

  • ein sauberer, gut beleuchteter Tisch oder eine Werkbank
  • ein zusammengerolltes Handtuch oder ein Halskissen unter dem Hals
  • ein weiches Tuch oder Handtuch unter dem Korpus gegen Kratzer
  • eine Saitenkurbel (spart viel Dreherei)
  • ein Seitenschneider oder Saitenschneider
  • ein sauberes Mikrofasertuch
  • ein Stimmgerät
  • dein neuer Saitensatz

Welche Stärke zu dir passt, ist Geschmacks- und Spielstilsache. Bist du unsicher, schau bei welche E-Gitarren-Saiten du brauchst vorbei.

Alte Saiten runter

  1. Spannung raus. Dreh jede Saite mit der Mechanik los. Mit einer Saitenkurbel geht das viel schneller. Das Entfernen ist danach deutlich einfacher.
  2. Durchschneiden. Schneide die losen Saiten etwa am 12. Bund durch, ungefähr in der Mitte des Halses. So bleiben zwei Hälften übrig, die du leicht aus Brücke und Mechaniken ziehst.
  3. Rausnehmen. Zieh die Hälften aus der Stopbar und aus den Achsen. Vorsicht mit den Enden, sie sind scharf. Pass auch auf, dass du mit diesen Spitzen nicht über den Lack kratzt.

Kurz putzen und checken

Ohne Saiten kommst du überall gut ran. Wisch Griffbrett und Korpus vorsichtig mit einem sauberen Mikrofasertuch ab. Wirf dabei gleich einen Blick auf die Bünde: Sitzt einer locker, oder siehst du Schäden an Hals oder Korpus? Dann ist jetzt der Moment für einen Gitarrentechniker, nicht für eigene Versuche.

Neue Saiten drauf

  1. Ohne Knick auspacken. Nimm die Saiten vorsichtig aus der Verpackung. Einen Knick in einer neuen Saite wirst du nicht mehr los. Auf der Verpackung steht, welche Stärke zu welcher farbigen Ball End gehört, du musst also nicht raten.
  2. Durch die Brücke. Steck die Saite durch das richtige Loch in der Stopbar. Zieh sie durch, bis die Ball End stramm anliegt. Sitzt sie locker, kann die Saite später rutschen und deine Gitarre verstimmt sich ständig.
  3. Überlänge abmessen. Führ die Saite zur richtigen Mechanik. Bei modernen Mechaniken, bei denen die Saite durch ein Loch in der Achse geht, nutzt D’Addario einen einfachen Trick. Halte deine Handfläche aufrecht unter den 12. Bund und zieh die Saite so weit an. Diese Reserve brauchst du gleich für die Windungen.
  4. Arretieren. Steck das Ende durch das Loch in der Achse und zieh es durch, mit etwas Spiel am Sattel. Wickle das Ende dann zurück, unter und um den Teil der Saite, der schon durch die Achse läuft. So klemmt sich die Saite selbst fest.
  5. Aufwickeln. Dreh die Saite gegen den Uhrzeigersinn auf. Laut D’Addario läuft die Saite meistens vom Logo weg, egal wie deine Mechaniken stehen. Das Ziel: Die Windungen laufen sauber nach unten auf der Achse.

Rechne mit zwei bis vier Windungen. D’Addario empfiehlt bei einer Stopbar 3 bis 4, aber zwei nach unten und eine dritte Richtung Brücke funktionieren genauso. In der Praxis landest du mit dem Handflächen-Trick ganz von selbst irgendwo in diesem Bereich.

  1. Auf Tonhöhe bringen. Dreh die Saite mit der Saitenkurbel auf, bis die richtige Tonhöhe erreicht ist. Mach das bei jeder Saite und stimm immer gleich mit. Dreh nicht über den Ton hinaus, denn eine neue Saite kann reißen, wenn du sie zu straff ziehst.

Stretchen, der Schritt, den jeder überspringt

  1. Am 12. Bund ziehen. Greif jede Saite am 12. Bund und zieh sie vorsichtig vom Griffbrett weg. Vorsichtig heißt hier wirklich vorsichtig. Mit zu viel Kraft reißt du eine Saite, die du gerade erst aufgezogen hast.
  2. Stimmen, spielen, stimmen. Stimm mit deinem Stimmgerät neu, spiel ein paar Minuten und stimm wieder. Wiederhole das, bis die Saiten stabil in Stimmung bleiben.
  3. Feinschliff. Ist alles gestimmt und der Satz gesetzt, schneide die überstehende Saite an der Achse ab. Wenn du magst, polier den Korpus mit etwas Gitarrenpolitur auf einem sauberen Tuch.

Alte Saiten wirfst du nicht einfach weg. D’Addario hat dafür PlayBack-Sammelstellen, wo du sie zum Recycling abgeben kannst.

Wo es meistens schiefgeht

Ball End sitzt nicht fest. Die Saite scheint gut zu sitzen, bis sie beim Stimmen ein Stück durchrutscht. Zieh die Saite nach dem Einfädeln immer kurz an und prüf, ob die Ball End wirklich an der Stopbar anliegt.

Zu wenig Reserve. Schneidest du die Saite zu kurz, bevor sie um die Achse liegt, hast du zu wenige Windungen und sie rutscht weg. Deshalb schneidest du erst ab, wenn alles gestimmt ist.

Drehrichtung verwechselt. Losdrehen geht meist im Uhrzeigersinn, Aufwickeln gegen den Uhrzeigersinn. Wie das genau ausfällt, hängt davon ab, wie deine Mechaniken stehen. Bist du unsicher, dreh in Ruhe und hör hin: Wird der Ton höher, spannst du die Saite.

Stretchen vergessen. Ohne Stretchen stimmst du den ganzen ersten Abend lang. Mit Stretchen bist du in fünf Minuten fertig.

Kratzer im Lack. Eine abgeschnittene Saite ist eigentlich ein kleines Messer. Leg ein Tuch unter den Korpus und halte die Enden von der Gitarre fern.

Wie oft musst du wechseln?

D’Addario nennt als Richtwert etwa alle ein bis zwei Monate. Das ist ein Durchschnitt, kein Gesetz. Klingt deine Gitarre plötzlich deutlich matter, oder siehst du Kuhlen oder Rost auf den Saiten, darfst du auch früher wechseln. Deine Ohren sind hier ehrlicher als der Kalender.