Welche E-Gitarren-Saiten brauche ich?
Stärke, Material, Kern, Umspinnung und Ball oder Bullet Ends: So findest du E-Gitarren-Saiten, die zu deinem Ton, deiner Stimmung und deiner Gitarre passen, und so erkennst du, wann sie runter müssen.

Saiten haben großen Einfluss auf den Klang und die Bespielbarkeit deiner E-Gitarre. Ein Satz kostet wenig, damit sind Saiten das günstigste Stück Gear zum Experimentieren. Du solltest nur wissen, was du da auswählst.
Bei der Wahl eines Sets spielen mehrere Dinge eine Rolle, zum Beispiel das Genre, das du spielst, wie leicht oder schwer sich die Saiten anfühlen sollen, in welcher Stimmung du spielst und wie lang die Mensur deiner Gitarre ist. Bei E-Gitarren-Saiten geht es dabei um:
- Stärke
- Material
- Kern
- Umspinnung
Wir gehen sie unten nacheinander durch, damit du weißt, was du auf deine Stratocaster, Les Paul oder jede andere E-Gitarre ziehst.
Allgemeines zu E-Gitarren-Saiten
Die Stärke einer Saite heißt auf Englisch „String Gauge“ und wird in Tausendstel Inch angegeben. Je kleiner die Zahl, desto dünner die Saite. Bei einer sechssaitigen Gitarre nimmt die Stärke von der hohen E-Saite über H, G, D und A bis zur tiefen E-Saite zu.
Eine Saite mit .008 ist zum Beispiel extrem leicht und eine der dünnsten hohen E-Saiten, die dir begegnen. Eine .056 ist sehr dick und findet sich als tiefe E-Saite in schweren Sets für tiefe Stimmungen.
Ein Set wird meistens nach der Stärke der dünnsten Saite benannt. Gitarristen sprechen also von 9er-, 10er- oder 11er-Sets, und das sind auch die Sets, die dir am häufigsten begegnen. Auf einer neuen Stratocaster ist meist ein 9er-Satz drauf, auf einer Les Paul oder einer anderen Gibson meist ein 10er. Manche Marken verwenden außerdem Bezeichnungen wie Light, Medium und Heavy, aber was Light heißt, ist von Marke zu Marke verschieden.
Saitenstärke ist Geschmackssache, und du kannst fast jede Stärke in jedem Genre verwenden.
Generell lassen sich dünnere Saiten leichter spielen und klingen brillanter. Du kannst sie auch leichter benden (Ziehen der Saite), und sie üben weniger Zug auf den Hals deiner Gitarre aus.
Auf der anderen Seite bieten dünnere Saiten weniger Sustain (wie lange du den Ton nach dem Anschlag hörst) und weniger Lautstärke, und sie reißen schneller.
Dickere Saiten geben dir mehr Lautstärke und Sustain und vertragen einen härteren Anschlag, ohne dass der Ton beim Anschlag nach oben zieht oder schnarrt. Sie werden oft für Drop-Tunings und andere tiefere Stimmungen gewählt.

Bedenke aber, dass dickere Saiten mehr Spannung haben, sich in der Greifhand schwerer anfühlen und sich schwerer ziehen lassen.
Saitenstärken je nach Musikgenre
Wie gesagt, die Vorliebe für eine bestimmte Saitenstärke ist persönlich. Trotzdem gibt es ein paar Richtlinien, wenn du den Sound bekommen willst, der zu einem Musikstil gehört.
Als Faustregel gilt: Für schnelle Leads und viele Bendings sind leichte Saiten gängig. Viele Blues- und Rock-Gitarristen entscheiden sich für mittelstarke Saiten, ein Kompromiss zwischen beidem. Spielst du harten Metal in Drop D oder tiefer, willst du für die tiefen Saiten stärkere Saiten, damit sie nicht zu schlaff werden.
Leichte Saiten
Country und Folk drehen sich oft um Fingerpicking und flüssiges Spiel. Dünnere Saiten bringen mehr Klarheit und spielen sich leichter. Auch Popmusik passt gut zu leichteren Saiten, weil der Sound dort stärker auf die oberen Mitten und Höhen ausgerichtet ist als auf die Tiefen.
Im Blues wird viel gezogen, und das geht mit dünneren Saiten am leichtesten. Je dicker eine Saite ist, desto mehr Spannung hat sie. Wenn du viel ziehen willst, sind leichtere Saiten also die naheliegende Wahl. Aber es bleibt Geschmackssache: Ein berühmter Bluesgitarrist wie Stevie Ray Vaughan entschied sich gerade für dicke Saiten, für einen volleren und wärmeren Ton.

Mittelstarke und Hybrid-Saiten
Mittelstarke Saiten passen zu fast jedem Genre. Sie eignen sich hervorragend für Rock und Blues, denn du kannst die tiefen Saiten kräftig anschlagen und bekommst einen fetten Sound, behältst aber genug Geschmeidigkeit für Soli.
Hybrid-Sets bestehen meist aus dickeren tiefen Saiten und leichteren hohen Saiten. So bekommst du einen fetten Ton für Riffs und trotzdem bequeme Bendings und schnelles Spiel auf den dünneren, hohen Saiten. Hybrid-Sets gehören zu keinem bestimmten Genre, sie sind bei Gitarristen beliebt, die alles Mögliche spielen.
Dicke Saiten
Dickere Saiten halten ihre Spannung besser, wenn du tiefer als im Standard stimmst oder eine Gitarre mit längerer Mensur spielst. Dünne Saiten werden dann schlaff, was auf Kosten der Straffheit deines Tons geht und es schwer macht, sauber zu intonieren. Deshalb eignen sich dicke Saiten besonders gut für Metal in tiefen Stimmungen.
Für Drop C und tiefer wählst du meistens ein Set, bei dem die dickste Saite etwa bei .052 bis .056 liegt, oder noch stärker. Für eine Siebensaiter oder eine Baritongitarre gibt es eigene Sets, mit einer tiefsten Saite von etwa .056 bis .072.
Auch im Jazz siehst du oft dicke Saiten, häufig Flatwounds (dazu weiter unten mehr). Sie liefern den runden, warmen Ton, der zu diesem Genre gehört.
Die Mensur zählt mit
Dasselbe Set fühlt sich nicht auf jeder Gitarre gleich an. Eine Fender hat eine Mensur von 25,5 Zoll (etwa 648 mm), eine Gibson Les Paul 24,75 Zoll (etwa 628 mm). Auf dem kürzeren Hals hat eine Saite bei gleicher Tonhöhe weniger Spannung. Ein 10er-Satz hat auf einer Les Paul rund 6 Prozent weniger Spannung als auf einer Strat und fühlt sich deutlich geschmeidiger an.
Spielst du eine Gitarre mit langer Mensur, etwa eine Baritongitarre oder eine Metalgitarre mit 26,5 Zoll, kommst du mit einem etwas leichteren Satz aus, als du denkst. Auf einem kurzen Hals darf es dagegen eine Nummer stärker sein. Viele Saitenhersteller veröffentlichen Tabellen mit der Spannung pro Saite, praktisch, wenn du genau vergleichen willst.
Saitenstärken von Ernie Ball
Um zu zeigen, wie die Stärken in einem Set aussehen, hier einige Sets der beliebten Saitenmarke Ernie Ball:
- Extra Slinky: 8-38
- Super Slinky: 9-42
- Hybrid Slinky: 9-46
- Regular Slinky: 10-46
- Skinny Top Heavy Bottom Slinky: 10-52
- Power Slinky: 11-48
- Beefy Slinky: 11-54
- Not Even Slinky: 12-56
Andere Marken wie D’Addario, Elixir und DR haben vergleichbare Reihen. Entscheidend sind die Zahlen, nicht der Name auf der Packung.

Saitenmaterialien
Die Saiten deiner E-Gitarre bestehen aus Stahl, damit die magnetischen Pickups ihre Schwingungen gut aufnehmen. Die tiefe E-, A- und D-Saite sind mit einem Draht aus verschiedenen Legierungen umsponnen, während die G-, H- und hohe E-Saite blanke, verzinnte Stahldrähte sind. In schweren Sets, etwa ab einem 12er-Satz, ist die G-Saite oft auch umsponnen.
Das sind gängige Materialien für umsponnene Saiten:
- Vernickelter Stahl: die beliebteste Wahl, mit ausgewogenem Ton zwischen Wärme und Brillanz.
- Reinnickel: wärmer und etwas vintage im Klang, beliebt bei Fans von Blues und älterem Rock.
- Edelstahl: ein sehr brillanter Ton mit viel Sustain. Er ist außerdem korrosionsbeständig, daher halten diese Saiten lange. Sie fühlen sich allerdings etwas härter an und können deine Bundstäbchen etwas schneller abnutzen.
- Kobalt: Laut Ernie Ball, das damit angefangen hat, reagiert diese Legierung stärker auf die Magnete deiner Pickups, mit mehr Output und klaren Bässen als Folge.
- Beschichtete Saiten: Saiten mit einer dünnen Schutzschicht. Sie bleiben deutlich länger frisch, fühlen sich aber etwas anders an und sind teurer.
Saitenkern
Der Kern ist der innere Draht der Saite, um den bei umsponnenen Saiten der äußere Draht gewickelt ist. Auch dieser Kern besteht aus Stahl.
Bei den meisten modernen Saiten ist der Kerndraht sechskantig. Die Kanten halten die Umspinnung gut an ihrem Platz, und das kommt der Stimmstabilität zugute. Saiten mit rundem Kern fühlen sich etwas geschmeidiger an, geben beim Bending etwas mehr nach und klingen etwas mehr vintage.
Umspinnung: Roundwound oder Flatwound
Bei einer Roundwound-Saite ist ein runder Draht um den Kern gewickelt, bei einer Flatwound-Saite ist dieser Draht flach.
Roundwound-Saiten sind mit Abstand am beliebtesten und in der größten Auswahl an Stärken und Materialien erhältlich. Sie klingen brillanter und haben mehr Sustain.
Flatwound-Saiten sind bei vielen Jazzgitarristen beliebt. Sie fühlen sich glatter an, klingen dunkler, und du hörst weniger Rutschgeräusche, wenn du über die Saiten gleitest.
Dazwischen liegen Halfrounds oder Groundwounds: runde Umspinnung, die nach dem Wickeln glatt geschliffen wird. Sie fühlen sich fast so glatt an wie Flatwounds und klingen noch recht brillant.
Saiten mit Ball Ends und Bullet Ends
Die meisten Saiten haben ein Ball End: Am Ende sitzt ein kleines Metallkügelchen, um das die Saite gedreht ist. Dieses Kügelchen hält die Saite in der Brücke oder im Korpus fest. Bei viel Tremolo-Einsatz kann sich dieses gedrehte Stück minimal verschieben, und dann kann deine Stimmung etwas weglaufen. Hast du ein Floyd Rose, knipst du das Kügelchen übrigens ab, weil die Saite dort in der Brücke festgeklemmt wird. Wie das geht, liest du in Saiten wechseln an einer Floating Bridge.

Bei Saiten mit Bullet End sitzt am Ende ein kleiner Messingzylinder in Form eines Geschosses. Es gibt also keine gedrehte Schlaufe, die sich verschieben kann, und das Ende hat straffen, gleichmäßigen Kontakt zur Brücke.
Dadurch kehrt die Saite nach dem Einsatz des Tremolos besser in dieselbe Position zurück, was der Stimmstabilität zugutekommt.

Bullet Ends hat Fender für die Stratocaster entwickelt, wo die Geschossform genau in die Bohrungen des Tremoloblocks passt.
Wechsel auf eine andere Saitenstärke
Wechselst du auf ein deutlich stärkeres oder dünneres Set, ändert sich der Zug auf den Hals. Deine Gitarre muss dann eventuell neu eingestellt werden: Halsstab, Saitenlage und Oktavreinheit. Bei einem schwebenden Tremolo ändert sich auch die Stellung der Brücke. Bei einem großen Schritt zu dickeren Saiten kann es außerdem nötig sein, die Kerben im Sattel etwas zu erweitern, sonst bleibt die Saite hängen und knackt beim Stimmen. Ein kleiner Schritt, von 9 auf 10, klappt meist ohne Eingriff. Bist du unsicher, lass es von einem Gitarrentechniker machen.
Wie du die Saiten an einer Gitarre mit fester Brücke wechselst, liest du Schritt für Schritt in Saiten wechseln an einer festen Bridge.
Worauf du beim Gebrauch deiner Saiten achten solltest
E-Gitarren-Saiten bestehen aus Stahl und enthalten damit Eisen, das rostet, wenn es Sauerstoff ausgesetzt ist. Das passiert nicht über Nacht, aber Feuchtigkeit, Schweiß und Schmutz von deinen Händen beschleunigen den Prozess.
Zum Glück bleiben deine Saiten länger gut, wenn du sie regelmäßig abwischst. Wisch sie nach dem Spielen mit einem trockenen Tuch ab und nimm ab und zu etwas Saitenreiniger.
Willst du den Klang deiner Saiten so lange wie möglich erhalten, wasch dir vor dem Spielen die Hände. Und kauf einfach regelmäßig ein neues Set: Billiger kannst du deine Gitarre nicht pflegen.
Wie oft das nötig ist, hängt davon ab, wie viel du spielst und wie stark du schwitzt. Spielst du täglich, sind vier bis sechs Wochen ein vernünftiger Richtwert, beschichtete Saiten halten ein Mehrfaches davon. Viele Gitarristen ziehen auch ein paar Tage vor einem Auftritt oder einer Aufnahme neue Saiten auf, damit sie bis dahin ausgedehnt sind.
So merkst du, dass deine Saiten ausgetauscht werden müssen
- Du hast Mühe, die Stimmung zu halten.
- Die Saiten zeigen sichtbare Korrosion.
- Dein Ton klingt dumpf.
- Du siehst, dass sich die Windungen auseinanderschieben.
- Akkorde weit oben am Hals klingen schief, obwohl die Leersaiten stimmen.


