Keyboards

LOVE Synthesizers liefert endlich den FIRST LOVE aus

Der isländische FM-Synth mit Touchscreen, vier Parts und Looper ist nach zwei Jahren Warten im Handel. Was er kann, vom Einschalten bis zur Aufnahme.

Weißes Handheld-Synthesizer mit schwarzem Display, Wellenformen und rosa Knöpfen auf weißem Hintergrund
Love Synthesizers First Love, Frontansicht mit Display. Foto: Love Synthesizers

LOVE Synthesizers aus Reykjavik liefert seit Anfang November den FIRST LOVE aus, einen FM-Synthesizer mit Touchscreen, der komplett ohne Computer auskommt. In Europa kostet er 595 Euro, in den USA 699 Dollar. Die erste Produktionsrunde ist limitiert und läuft über autorisierte Händler in der EU, den USA und Großbritannien, etwa SchneidersLaden in Berlin und Woodbrass in Frankreich. Auch Thomann hat ihn im Sortiment.

Das Warten hat gedauert. Der Prototyp stand schon auf der Superbooth 2024 und räumte dort den Preis für Best Innovation ab. Im Mai 2026 wurde die Auslieferung für September versprochen, zum Start der Vorbestellungen im August wurde daraus Oktober. Auf der eigenen Website steht immer noch “Available September 2026”, in Reykjavik hatte man also offenbar alle Hände voll zu tun. Kári Halldórsson hat die Firma 2023 gegründet, der FIRST LOVE ist ihr erstes Produkt.

Technisch ist das keine Revolution. Eine FM-Engine mit vier Operatoren und vier Parts, die polyfon oder monofon spielen, hatte Yamaha schon Ende der Achtziger mit dem FB-01 und dem TX81Z im Programm. Neu ist die Art, wie du diese Engine bedienst.

Vom Einschalten bis zum ersten Sound

Der FIRST LOVE hat eingebaute Lautsprecher, und du kannst eine Batterie einsetzen. Strom geht auch über USB-C. Zum Loslegen musst du also nichts anschließen, und das ist bei einem FM-Synth schon bemerkenswert: Die Klassiker von damals waren Rackmodule ohne Tasten.

Dann das Display. Die Oberfläche kommt ohne Wörter und ohne Zahlen aus. Du ziehst Formen über den Touchscreen und siehst, wie sich der Klang beim Bearbeiten verändert. Halldórsson sagt, dass die ersten paar Minuten mit einem Instrument den Unterschied machen und dass jemand, der noch nie einen Synth angefasst hat, auf eigene Faust experimentieren können soll. Ein schönes Ziel, und FM hat das bitter nötig. Wer jemals auf einem DX7 mit zweizeiligem Display Algorithmen editiert hat, weiß, woher der Ruf kommt, FM sei unzugänglich.

Die Verbindungen zwischen den Operatoren zeichnest du selbst, dazu gibt es Wave Shaping und Hüllkurven, die zwischen Formen morphen können, und die physischen Regler weist du dem zu, was du steuern willst. Ein Preset speicherst du mit einer selbst gemalten Zeichnung statt mit einem Namen. Das ist verspielt und passt zur Idee, wir fragen uns allerdings, wie das bei deinem hundertsten Patch funktioniert. Mit den Zahlen ist es ähnlich: Ohne Zahlen lernst du, mit den Ohren zu arbeiten, aber wer ein exaktes Verhältnis zwischen zwei Operatoren einstellen will, muss schauen, ob das Display das hergibt.

Hände bedienen die weiße First Love mit Display vor pinkem LOVE-Schriftzug.
Love Synthesizers First Love im Einsatz. Foto: Love Synthesizers

Gespielt wird auf druckempfindlichen Pads mit Velocity und Aftertouch oder direkt auf dem Touchscreen. Du wechselst schnell zwischen Tonleitern, quantisiert oder mikrotonal, und kannst eigene Stimmungen bauen. LOVE Synthesizers nennt dabei ausdrücklich das Zusammenspiel mit Instrumenten aus anderen Musiktraditionen. Platz gibt es für 256 eigene Skalen. Jeder Part hat eigene Effekte: Reverb, Delay, Chorus und einen Freezer.

Vom Riff bis zur Aufnahme

Mit dem Riff-Sequencer reihst du Noten und Pausen in beliebiger Reihenfolge aneinander, der Arpeggiator hat eine einstellbare Geschwindigkeit. Danach kommt der Looper ins Spiel. Du nimmst einen Loop auf, lässt ihn vervielfachen, machst Overdubs, bouncest und hängst neue Stücke vorne oder hinten an. Du kannst frei in deinem eigenen Groove spielen oder einen quantisierten Beat als Basis nehmen. Weil die vier Parts gleichzeitig laufen, baust du so eine komplette Skizze mit Bass, Akkorden, Lead und etwas Perkussivem, ohne dass ein Laptop aufgeklappt sein muss.

Kommt der Moment, in dem du das aufnehmen willst, hast du mehr Möglichkeiten, als das spielzeughafte Äußere vermuten lässt. Die Ausgänge lassen sich als zweimal Stereo oder viermal Mono konfigurieren, du kannst die vier Parts also getrennt in dein Audio-Interface schicken und in deiner DAW einzeln mischen. Es gibt DIN5-MIDI, Sync und USB, damit passt er auch problemlos in ein Studio mit anderer Hardware.

Was es noch nicht gibt: den LOVE Sharing Hub. Das wird ein Desktop-Programm, natürlich in Rosa, mit dem du über USB-C Updates installierst, Sounds sortierst und Skalen und Arrangements teilst. Der Hersteller nennt es “coming soon”, mehr ist nicht bekannt. Bis dahin läuft die Firmware, die in der Box steckt.

Rückseite der First Love mit Anschlüssen für MIDI, USB-C, Sync und Kopfhörer.
Love Synthesizers First Love, Rückansicht mit Anschlüssen. Foto: Love Synthesizers

Zur Performance des fertigen Geräts lässt sich noch wenig sagen. Auf der Superbooth liefen die Demos nicht rund, mit stockendem Audio und Bugs. Zwei Jahre später und nach drei Jahren Entwicklung darf man erwarten, dass das behoben ist, ausführliche Tests der Serienversion gibt es aber noch nicht. Die ersten Nutzer werden schnell genug durchblicken lassen, ob die Software stabil läuft.

Wer einen digitalen Synth mit vertrauterem Aufbau sucht, mit echten Tasten und normalen Reglern, schaut eher Richtung Arturia MiniFreak 49. Der FIRST LOVE ist ein anderes Instrument, bei dem Looper und Pads im Mittelpunkt stehen.

Der FIRST LOVE will, dass sich FM wie ein Spiel anfühlt, und für 595 Euro bekommst du dazu mehr Studiofunktionen, als du denken würdest, vor allem die vier separaten Ausgänge. Ob die Bedienung ohne Zahlen auch nach ein paar Monaten noch Spaß macht, muss die Praxis zeigen. Wenn die Software passt, hat FM endlich ein Instrument, mit dem du ohne Handbuch direkt loslegen kannst.