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Die Arturia MiniFreak 49 ist endlich eine Freak mit richtigen Tasten

Die Arturia MiniFreak 49 bringt größere Tasten, eine Touch Matrix und mehr Regler. Was ist neu, wo hakt es und für wen lohnt sich der Aufpreis?

Arturia MiniFreak 49 Synthesizer mit 49 Tasten, Aluminiumrädern und Touch Matrix, von oben gesehen
Foto: Arturia

Die MiniFreak hatte immer eine Schwachstelle, und die lag direkt unter deinen Fingern. Die Slim Keys des 37-Tasten-Modells reichten, um eine Idee einzuspielen, aber niemand hat darauf gern einen ganzen Abend lang Akkorde gespielt. Mit der MiniFreak 49 geht Arturia das an, und gleich noch ein paar andere Dinge dazu.

Ein neuer Synth ist sie nicht. Gearnews spricht von einem “positiven Seitenschritt”: dieselbe Freak-Architektur, aber mit mehr Bedienelementen, größeren Tasten und einer neuen Touchfläche. Arturia selbst sagt, das Modell erweitere “the Freak formula”. Das ist ehrlicher als das übliche Marketing, und es stimmt auch.

Arturia MiniFreak 49 Synthesizer mit 49 Tasten, Aluminiumrädern und Touch Matrix, von oben gesehen
Foto: Arturia
Arturia MiniFreak 49 Synthesizer mit 49 Tasten, Aluminiumrädern und Touch Matrix, von oben gesehen
Foto: Arturia

Was unter der Haube steckt

Das Herzstück ist bekanntes Terrain. Du bekommst sechs Stimmen, zwei digitale Engines mit zusammen 31 Oszillatormodi und pro Stimme einen analogen State-Variable-Filter mit Low-Pass, Band-Pass und High-Pass. Der Filter kann auch selbstoszillieren. Im Paraphonic-Modus steigt die Stimmenzahl laut Mixdown auf 12.

Außerdem:

  • 3 Effektslots mit je 13 Algorithmen
  • 64-Step-Sequencer mit vier Modulationsspuren, Spice & Dice, Chord- und Scale-Modi
  • 256 MB Speicher für Samples und Wavetables, achtmal so viel wie bei der MiniFreak
  • 350 Factory- und 162 User-Presets
  • MIDI In/Out/Thru, USB-C, Clock In/Out, Reset Out, Audioeingang, Stereoausgänge und ein Eingang für Sustainpedal
  • Software MiniFreak V im Lieferumfang

Bestehende MiniFreak-Presets laufen laut Gearnews problemlos auf der 49. Wer sich schon eine Bibliothek aufgebaut hat, muss also nicht bei null anfangen.

Tasten, Räder und eine Fläche zum Draufdrücken

Den größten Fortschritt gibt es bei der Hardware. Die 49 halbgewichteten Tasten bieten Velocity und Mono-Aftertouch. Laut CDM ist es dieselbe Tastatur wie in der KeyLab 49 mk3, und daran gibt es wenig auszusetzen. Mixdown nennt die Tasten einen großen Schritt nach vorn gegenüber den Slim Keys.

Die Touch Strips sind verschwunden. Stattdessen gibt es Pitch- und Modwheel aus Aluminium, und alle Tester freuen sich darüber. Das war auch kein Geheimwunsch einer kleinen Gruppe: Touch Strips für Pitchbend mochte kaum jemand.

Dann die XYZ Touch Matrix. Arturia hat sie selbst entwickelt: eine kapazitive Multitouch-Fläche mit 7×7 RGB-LEDs und Druckempfindlichkeit als dritter Achse. Du nutzt sie für Route-Modulation, zum Durchstöbern von Presets und für Freak Control. Laut CDM erkennt sie acht gleichzeitige Berührungen, davon maximal vier in Freak Control. Die LEDs sind nur visuelles Feedback, keine Tasten. CDM nennt die Matrix präzise und ausdrucksstark, mit einer praktischen Hold-Funktion.

Mehr Regler, weniger Menü

Gearnews betont etwas weniger Spektakuläres, das in der Praxis vielleicht mehr ausmacht: Jede Engine hat jetzt eigene Bedienelemente. Du musst also nicht mehr umschalten, um Oszillator 2 anzupassen. Außerdem gibt es direkte Ladetasten für Samples und Wavetables, und das OLED-Display ist größer.

Zwei neue Regler verändern den Klang wirklich. Filter FM legt audiorate-Modulation von Engine 1 oder Engine 2 bipolar auf die Cutoff des analogen Filters. Das ist der Regler für knurrende Bässe und metallische Leads. Voice Panning verteilt die sechs Stimmen mit einem 270°-Regler über das Stereobild, mit den Spread-Algorithmen Centered und Gradual. CDM weist darauf hin, dass die Idee von der PolyBrute stammt.

Mixdown nennt das Ergebnis räumlich, besonders in Kombination mit den Effekten. Das Klangspektrum reicht laut dem Magazin von Bässen und Pads bis zu industriellen Leads.

Wo sie schwächelt

Polyphoner Aftertouch fehlt. Gearnews vermisst ihn, CDM findet Mono-Aftertouch dagegen passend für dieses Instrument. Bei einem Synth mit 31 Oszillatormodi und einer druckempfindlichen Touchfläche ist es trotzdem etwas seltsam, dass die Tastatur hinterherhinkt.

Glide teilt sich in der Hüllkurvensektion einen Regler mit Attack und braucht Shift. Gearnews findet das umständlich, und das ist nachvollziehbar. Bei einem Gerät, bei dem es genau um direkte Bedienung geht, ist Glide ausgerechnet eine Funktion, die du live greifen willst.

CDM findet den Preset-Zugriff über die Matrix verwirrend, weil es zusätzlich noch einen eigenen Preset-Encoder gibt. Zwei Wege für dasselbe sind nicht immer praktisch. Außerdem lief die Software beim CDM-Test noch nicht ganz stabil. Und Gearnews erwähnt die USB-C-Buchse, die manche weniger stabil finden als USB-B.

Mixdown nennt einen praktischen Punkt: In Mono verliert die MiniFreak 49 an Breite, auch bei Voice Panning auf null. Wer sie an einen Mixer mit nur einem freien Kanal hängt, verpasst also einen Teil der Geschichte. Plane zwei Eingänge ein. Außerdem findet Mixdown das Ganze anfangs überwältigend, solange du die Modi nicht kennst.

Lohnt sich der Aufpreis?

Laut Arturias Vergleichstabelle kostet die MiniFreak 649 Dollar und die 49 849 Dollar. Einen Europreis und ein Lieferdatum gibt es noch nicht; Arturia hat das Modell am 20. Oktober angekündigt.

Für den Unterschied bekommst du echte Tasten, Räder, die Touch Matrix, separate Engine-Bedienung, Filter FM, Voice Panning und achtmal so viel Speicher. Das ist mehr als ein größeres Gehäuse. Wenn du die MiniFreak vor allem als spielbares Instrument siehst, ist die Rechnung schnell gemacht.

Trotzdem ist die 37-Tasten-Version nicht plötzlich überflüssig. Die Klangarchitektur ist dieselbe. Wer vor allem programmiert, sequenct oder ein separates Masterkeyboard nutzt, bekommt mit der kleinen Version den Großteil des Sounds für weniger Geld. Gebraucht dürfte sie jetzt, wo es die 49 gibt, noch attraktiver werden.

Weitere Optionen in der Familie

Die logische Konkurrenz ist Arturia selbst. Die MicroFreak, der Ursprung der Linie von 2019, ist das Einstiegsmodell für alle, die experimentieren wollen, ohne viel auszugeben. Sie ist allerdings deutlich kleiner und weniger umfangreich.

Auf der anderen Seite steht die PolyBrute. CDM merkt an, dass sie vielleicht mehr kann, und von ihr stammt auch das Voice Panning. Sie ist eine komplett analoge Maschine in einem anderen Preissegment. Wem die Ästhetik dieser Linie gefällt, liest vielleicht auch gern über Arturias Brute Noir Editionen.

CDM zieht noch eine andere Verbindung: die MiniFreak 49 als Weiterentwicklung von etwas wie der KeyStep Pro. Mit Clock, Reset und einem Sequencer mit Modulationsspuren passt sie laut dieser Seite gut neben ein Eurorack-System. Mixdown sieht das genauso.

Für wen das die richtige Freak ist

Die MiniFreak 49 ist für alle, die die MiniFreak vor allem spielen wollen. Du bekommst eine vollwertige Tastatur, bessere Bedienung und eine Touchfläche, die laut CDM zum Erkunden einlädt. Gearnews war beim ersten Kennenlernen etwas enttäuscht, schätzt sie jetzt aber mehr. Das scheint die vernünftige Erwartung zu sein: keine Revolution, aber eine bessere Version.

Hast du schon eine MiniFreak und spielst vor allem über einen anderen Controller, ist ein Upgrade kaum dringend. Fängst du gerade mit Synths an oder willst ein Instrument, das viel kann, auf dem Tisch, ist die 49 die richtige Wahl. Aber mit zwei freien Eingängen an deinem Mixer.