GForce bringt den Oberheim Matrix-12 offiziell in deine DAW
GForce Software bringt mit Oberheim und Designer Marcus Ryle den Matrix-12 als Plugin, mit einem Modulationssystem, das du endlich sehen kannst.

Wer schon mal ernsthaft nach einem Oberheim Matrix-12 gesucht hat, kennt die Geschichte. Es gibt nur wenige, sie wiegen eine Tonne, und ein Exemplar, das zuverlässig läuft, kostet Geld und einen Techniker, der noch weiß, was er tut. Und steht das Ding erst mal in deinem Studio, fängt die eigentliche Arbeit an. Das Modulationssystem war so tief, dass Oberheim die Routing-Karte aufs Frontpanel gedruckt hat, weil kein Display von 1985 sie hätte darstellen können.
GForce Software will beide Probleme auf einen Schlag lösen. Seit dem 5. November gibt es Oberheim Matrix-12 für macOS und Windows zu kaufen. GForce nennt es die einzige offizielle Softwareversion von Matrix-12 und Xpander, und das hat einen Grund: Das Plugin ist zusammen mit Oberheim und mit Marcus Ryle entstanden, einem der ursprünglichen Designer des Synths. Laut GForce war Ryle während der gesamten Entwicklung mit an Bord.
Kurz für alle, die die Familiengeschichte nicht parat haben. Der Xpander war ein sechsstimmiger analoger Oberheim ohne Tastatur. Der Matrix-12 brachte diese Architektur auf zwölf Stimmen, packte eine Tastatur dazu und stand damit an der Spitze der klassischen Oberheim-Linie. Laut GForce spielten unter anderem Vangelis, Depeche Mode, The Orb und Technotronic darauf. Berühmt sind vor allem die Pads und Filtersweeps.
Modulation, die du sehen kannst
Am spannendsten an diesem Plugin ist, wie du damit programmierst. Jede Stimme hat fünf Envelopes, fünf LFOs, vier Ramps, drei Tracker, einen Lag Processor und ein separates Vibrato. Jede Quelle kann auf jedes Ziel, auch auf sich selbst. Am Original hast du das mit Tastern und einem kleinen Display erledigt, mit der Karte auf dem Panel als Spickzettel.
In der Software ziehst du eine Quelle einfach auf einen Regler. Pro Parameter hast du sechs bipolare Slots, jeweils mit Quantise, und ein grüner Ring um den Regler zeigt dir, dass dort etwas moduliert. Dazu kommen drei Ansichten. Flow zeichnet den Signalweg mit allen Modulationsverbindungen live auf. Mod Matrix packt alle Zuweisungen in ein Raster, das du direkt bearbeiten kannst. Visualiser zeigt pro Modul ein Scope, eine Filterkurve, eine Envelope oder einen Tracker.
Hier hat Software gegenüber vierzig Jahre alter Hardware ganz klar die Nase vorn. Der Sound ist der Grund, einen Matrix-12 haben zu wollen, aber die Übersicht ist der Grund, ihn auch wirklich zu programmieren, statt bloß durch Presets zu blättern. Einen LFO, der einen anderen LFO moduliert, der wiederum den Filter öffnet, erkennst du in Flow auf einen Blick.

Oszillatoren, Filter und Effekte
Unter der Haube stecken pro Stimme zwei modellierte VCOs mit Triangle, Saw und Pulse. Der zweite Oszillator bringt Noise und Hard Sync mit, FM gibt es auch. Danach kommt der Filter mit fünfzehn Modi: Lowpass mit einem bis vier Polen, Highpass, Bandpass, Notch, Phase und die bekannten Kombinationen daraus. Zwei VCAs in Serie schließen den Signalweg ab.
GForce sagt, dass Oszillatoren, Filter und die Envelope-Kurven direkt neben der Hardware modelliert wurden. Ob das stimmt, muss ein Vergleich mit einem gut abgeglichenen Matrix-12 zeigen. Die stehen nicht in jedem Studio, und ehrlich gesagt auch nicht in unserem. Einen unabhängigen Klangvergleich gibt es noch nicht.
Am Ende der Kette sitzen ein Stereo-Delay und ein Matrix Reverb. Mehr Effekte gibt es nicht, und für Pads, die irgendwohin schweben sollen, reicht das völlig. Im Multi Mode hat jede Stimme ihren eigenen Send zu diesen Effekten.
Zwölf Stimmen als ein oder sechs Instrumente
Im Single Mode spielst du alle zwölf Stimmen als einen polyphonen Synth. Der Multi Mode teilt die Tastatur in sechs Zonen, die sich überlappen dürfen. Jede Zone bekommt ihre eigene Stimmenzuweisung, ihren eigenen MIDI-Kanal und ihren eigenen Mikro-Arpeggiator. So baust du Bass, Pad und Arpeggio nebeneinander in einer Instanz, ganz so, wie Oberheim das mit zwölf einzelnen Stimmen einst gedacht hatte.
Für Ausdruck gibt es volles MPE, mit eigener Timbre-Kurve pro Patch. Dazu reagiert das Plugin auf Velocity, Release Velocity, Pitch Bend, Modwheel und Pressure mit einstellbarem Rise und Fall. Vier globale Macros geben dir schnellen Zugriff auf einen Patch, ohne dass du ins Raster abtauchen musst. Mit einem MPE-Controller wie einem Seaboard oder einem Linnstrument kommt das Modulationssystem erst so richtig zur Geltung.

GForce liefert über 570 Presets mit. Gut 380 davon sind neu, die restlichen gut 190 sind Original-Patches von Matrix-12 und Xpander. Für alle, die das Original kennen, ist das vielleicht der schönste Teil.
Der größte Konkurrent ist Arturia, das schon seit Jahren einen Matrix-12 V in der V Collection hat. Dem fehlen die offizielle Lizenz und Ryles Mitwirkung, und genau darauf setzt GForce. Im eigenen Programm hat GForce mit dem OB-E schon ein anderes Oberheim-Plugin, das auf der SEM-Linie basiert.
Der reguläre Preis liegt bei 119,99 Euro. Bis zum 5. Dezember 2026 gilt ein Einführungspreis von 83,99 Euro. Du bekommst das Plugin über die Website von GForce und bei Händlern wie Plugin Boutique und AudioDeluxe. Es gibt eine Testversion, die vierzehn Tage läuft.
Hier die restlichen Specs im Überblick:
- Formate unter macOS: Standalone, AudioUnit, AAX, VST2 und VST3
- Formate unter Windows: Standalone, AAX, VST2 und VST3
- macOS: 10.15 oder neuer, Intel oder Apple Silicon, 8 GB RAM
- Windows: Windows 7 oder neuer, Intel i5, Ryzen 5 oder vergleichbarer Prozessor
- Effekte: Stereo-Delay und Matrix Reverb
- Presets: 570+, davon 190+ Original-Patches von Matrix-12 und Xpander


