Warm Audio schrumpft den Centavo und lässt den Klang in Ruhe
Warm Audio steckt die Schaltung des Centavo in ein kleineres Gehäuse. Wir schauen auf Klang, MOD-Schalter, Bedienung und die Mini-Klon-Konkurrenz.

Der Centavo Mod ist der Centavo, wie er von Anfang an hätte aussehen sollen. Warm Audio hat das Innenleben in Ruhe gelassen und sich nur das Gehäuse vorgenommen, und bei diesem Pedal ist genau das der richtige Eingriff.
Die Sache ist die: Der große Centavo kam 2023 auf den Markt und wurde für Klang und Verarbeitung viel gelobt. Nur brauchte er auf dem Pedalboard ungefähr genauso viel Platz wie das Original, dem er nachempfunden ist, der Klon Centaur mit den Buchsen an der Seite. Für einen Overdrive, der bei vielen Gitarristen immer an ist, eine seltsame Entscheidung. Der Centavo Mod behebt genau das und sonst nichts. Seit Ende September 2026 steht er im Laden.
Kleineres Gehäuse, gleiches Innenleben
Der Centavo Mod misst 64 mal 56 mal 114 Millimeter und wiegt 0,32 Kilo. Das ist das Format eines normalen Kompaktpedals, etwas breiter als ein Boss-Kästchen. Ein- und Ausgang sitzen oben, du kannst ihn also eng zwischen zwei andere Pedale schieben, ohne dass sich die Stecker in die Quere kommen. Auf einem vollen Board spart das schnell ein paar Zentimeter pro Pedal.
Optisch hat sich wenig getan. Das Gehäuse ist golden, die Knöpfe haben dieses bordeauxrote Oxblood, und wer je ein Foto von einem Klon gesehen hat, erkennt es sofort. Warm Audio baut traditionell Studio-Klone von Mikrofonen und Preamps, und diese Liebe zur Optik des Originals steckt auch hier drin.
Laut Warm Audio sind Schaltungsdesign und Bauteilauswahl komplett identisch mit dem großen Centavo. Es gibt also keine neue Revision, keinen zusätzlichen Regler und keinen anderen Klang. Der Centavo Mod ist eines der drei Pedale, mit denen die neue Mod Series gestartet ist, neben dem WA-C1 Mod (einer kleineren Version von Warm Audios Chorus und Vibrato) und dem Black Keys Peach Fuzz, der zusammen mit Dan Auerbach entstanden ist. Bei diesen beiden kamen Funktionen dazu. Beim Centavo blieb es beim Schrumpfen.
Was ein Klon eigentlich macht
Um zu verstehen, warum so viele Leute diese Schaltung haben wollen, musst du kurz zurück in die Neunziger. Bill Finnegan baute den Klon Centaur in kleinen Stückzahlen, und die Pedale wurden im Lauf der Jahre unbezahlbar. Ein Original kostet auf dem Gebrauchtmarkt Tausende Euro. Inzwischen gibt es wahrscheinlich mehr Klon-Klone als echte Klons, und das ist kein Witz.
Das Besondere steckt in ein paar Entscheidungen. Der Gain-Regler dreht zwei Potis gleichzeitig und mischt so ein cleanes Signal mit einem Signal, das durch die Clipping-Dioden läuft. Bei wenig Gain hörst du vor allem deine eigene Gitarre, etwas lauter und mit etwas mehr Mitten. Je weiter du aufdrehst, desto mehr vom geclippten Signal kommt dazu.
Dazu erhöht eine Charge Pump die interne Spannung, wodurch das Pedal viel Headroom hat. Die TL072-Op-Amps und die Clipping-Dioden im Vintage-Stil erledigen den Rest. Warm Audio nennt das Pedal deshalb auch einen High-Headroom-Overdrive, und das trifft es: Er liefert sehr viel Lautstärke, bevor er selbst zu verzerren anfängt.
Drei Regler, und jeder zählt
Die Bedienung ist simpel: Gain, Treble und Output. Der Output-Regler hat viel Reserve, und genau deshalb wird diese Art Pedal so oft als Boost eingesetzt.
Der Treble-Regler kippt eher den ganzen Sound, als dass er wie eine normale Klangregelung arbeitet. Drehst du ihn zu, wird der Klang runder und die Höhen sacken weg. Drehst du ihn auf, kommen mehr Brillanz und Attack dazu. Mit einem dunklen Humbucker drehst du ihn oft weiter auf als mit einer Telecaster, mit einem hellen Vox-artigen Amp eher etwas zurück.
Die Regler drehen sich satt und haben genug Widerstand, damit sie sich nicht aus Versehen verstellen, wenn du mit dem Schuh dagegen kommst. Das Gehäuse fühlt sich solide an und ist sauber verarbeitet. Zur Zuverlässigkeit auf lange Sicht lässt sich nach ein paar Wochen noch nichts sagen, aber der große Centavo hatte schon den Ruf, einiges wegzustecken.
Wo er am besten klingt
Am meisten holt dieses Pedal bei niedrigem bis mittlerem Gain raus. Stellst du einen Amp knapp an die Breakup-Grenze und setzt den Centavo Mod mit wenig Gain und viel Output davor, arbeitet der Amp härter, ohne dass die Gitarre unter einer Decke verschwindet. Dein Anschlag bleibt erhalten, Akkorde bleiben durchhörbar und lange Töne singen länger.

Die Mittenbetonung ist sein Markenzeichen. Das Pedal schiebt die Mitten gerade so weit nach vorn, dass deine Gitarre im Bandmix mehr Kontur bekommt. Im Proberaum mit zwei Gitarristen und einem lauten Drummer ist das genau das, was du für ein Solo suchst. Du wirst lauter und deutlicher, ohne dass dein Ton plötzlich nach jemand anderem klingt.
Als Always-on-Pedal funktioniert er auch gut. Mit fast zugedrehtem Gain und Output um Unity herum bringt er vor allem etwas Glanz und etwas Kompression. Viele Gitarristen lassen einen Klon-artigen Drive deshalb den ganzen Abend an und nutzen für den Rest den Amp oder einen zweiten Drive.
Stark ist er auch vor einem Amp, der schon angezerrt ist. Mit dem üppigen Output schiebst du einen crunchigen Amp weiter in die Sättigung, und die Mittenbetonung hält den Sound straff. Das gilt genauso fürs Stacken mit anderen Drives. Setz den Centavo Mod vor einen zweiten Overdrive, und er arbeitet als eine Art Vorverstärker: Er gibt dem nächsten Pedal mehr Signal und klarere Mitten.
Mehr Gain, weniger Glanz
Drehst du den Gain weiter auf, ändert sich der Charakter. Der Drive wird rauer und an den Rändern etwas körniger, und beim großen Centavo wurde der Sound in diesen Stellungen manchmal etwas wollig. Die Mittenbetonung, die bei wenig Gain so gut funktioniert, kann dann etwas nasal klingen.
Das liegt an der Schaltung, Warm Audio kann dafür nichts. Ein Klon war nie als Distortion gedacht, und auch dieser Klon macht aus einem cleanen Amp keine fette High-Gain-Wand. Dafür brauchst du eine andere Sorte Pedal, etwa einen ProCo RAT 2, oder einfach einen Amp mit mehr Gain.
Ein zweiter Haken ist die Mittenbetonung selbst. Wer einen komplett neutralen Boost sucht, der nur Lautstärke draufpackt und den Ton sonst in Ruhe lässt, bekommt hier mehr Färbung, als ihm lieb ist. Dafür gibt es rauschfreie Clean Boosts, die flacher klingen. Der Centavo Mod ist ein färbender Boost, und das musst du wollen.
Der MOD-Schalter auf der Rückseite
Der große Centavo hatte schon einen MOD-Schalter, und auch der Mod hat ihn wieder. Er erweitert den Bass, sodass die tiefen Saiten mehr Gewicht und Drive bekommen. Laut Warm Audio geht diese Änderung auf eine Bitte von Jeff Beck an den Erbauer des Originals zurück. Schöne Geschichte, und Warm Audio erzählt sie gern.
In der Praxis ist der Schalter nützlich. Ein Klon kann in manchen Kombinationen etwas dünn klingen, vor allem mit Single Coils über einen kleinen Amp oder im Studio über einen Kopfhörerausgang. Mit MOD an wird das Fundament voller, und das Pedal taugt mehr als Drive für Riffs auf den tiefen Saiten. Mit einer großen Box oder einem Amp, der schon viel Bass hat, lässt du ihn wahrscheinlich aus.
Der Nachteil ist die Position. Der Schalter sitzt hinten am Pedal, und auf einem vollen Board steckt da meistens das nächste Pedal oder ein Netzteilkabel. Mitten im Song umschalten ist also nicht drin. Du wählst die Stellung zu Hause oder beim Soundcheck und lässt sie dann so. Bei einem Kompaktpedal ist Platz knapp, aber ein kleiner Schalter neben den Buchsen oben wäre aus unserer Sicht drin gewesen.
Stromversorgung und Anschlüsse
Der Centavo Mod läuft mit einer 9-Volt-Batterie oder einem normalen 9-Volt-Netzteil und zieht 40 mA. Das ist wenig, jedes Pedalboard-Netzteil mit einem freien Ausgang schafft das. Dank der Charge Pump musst du ihn nicht selbst mit 18 Volt betreiben, um Headroom zu bekommen. Das passiert intern.

Es gibt einen Mono-Eingang und einen Mono-Ausgang, beide 6,3-mm-Klinke. Mehr brauchst du bei einem Overdrive nicht. Stereo gibt es nicht, einen Expression-Eingang auch nicht.
Das Pedal hat Buffered Bypass, wie das Original. Das ist praktisch bei langen Kabeln oder einem großen Board, weil der Buffer deine Höhen erhält, wenn das Pedal aus ist. Bei der Reihenfolge musst du allerdings etwas mitdenken. Viele Vintage-Fuzzpedale mögen keinen Buffer vor sich, ein Fuzz-Face-artiger Fuzz auf deinem Board gehört also meistens vor den Centavo Mod.
Kleiner, aber nicht günstiger
Der Centavo Mod kostet in Europa 219 Euro, in den USA 189 Dollar. Bei Thomann steht er für diesen Betrag drin. Für ein Pedal mit dieser Schaltung und dieser Verarbeitung ist das fair, gerade im Vergleich zum Preis eines Originals.
Etwas seltsam ist es aber schon, dass die kleine Version nicht günstiger ist als die große. Weniger Metall, eine kleinere Platine, dieselben Bauteile, und trotzdem zahlst du mindestens dasselbe. Warm Audio rechnet offenbar mit dem Platz, den du auf deinem Board zurückgewinnst, und so kann man es auch sehen.
Konkurrenz auf einem vollen Markt
Hier wird es schwieriger für den Centavo Mod. Kompakte Klon-Klone gibt es inzwischen in allen Preisklassen, und die meisten machen ungefähr dasselbe: ein Boost mit Mittenbetonung, etwas Drive und viel Output. Wer schon so ein Pedal hat, bekommt hier fürs Geld wenig Neues.
Das bekannteste günstige Gegenstück ist der Electro-Harmonix Soul Food. Der kostet ein ordentliches Stück weniger und macht sich als Boost und leichter Drive prima. Neben dem Centavo Mod klingt er etwas weniger obertonreich und reagiert weniger lebendig auf deinen Anschlag. Für eine Coverband, die vor allem einen Solo-Boost sucht, lohnt sich der Unterschied vielleicht nicht. Für jemanden, der das Pedal immer an hat und jede Nuance im Anschlag hört, schon.
Der Ceriatone Centura steht auf der anderen Seite. Er ist wie der große Centavo eine genaue Kopie des Originals, bis hin zum gegossenen Gehäuse. Genau da liegt auch der Nachteil: Er ist größer und passt schlechter auf ein enges Board. Vom Konzept her ähnelt der Centura am meisten dem großen Centavo, der Mod ist in diesem Vergleich die kompakte Variante.
Und dann ist da noch der große Centavo selbst. Klingt gleich, hat dieselben Regler und denselben Schalter. Hast du genug Platz oder spielst du vor allem zu Hause, ist ein gebrauchtes Exemplar der großen Version eine logische Option, denn innen ist alles gleich.
Unser Fazit
Der Centavo Mod ist ein gut gebauter, ehrlicher Klon-Klon, der als Boost und als Drive bei wenig Gain seine stärkste Seite zeigt und jetzt auch auf ein volles Pedalboard passt. Dass er sonst nichts Neues macht, ist bei dieser Schaltung eher eine Entscheidung als ein Mangel. Nur der MOD-Schalter hinten und der Preis, der genauso hoch ist wie beim großen Bruder, hätten aus unserer Sicht besser gelöst sein können.


